Archiv der Kategorie: Soziale Arbeit

Dynamic Faciliation

Personalentwicklung und Personalarbeit ist nach meinem Verständnis immer auch Dialogförderung.

Dynamic Facilitation setze ich bei offen moderierten Gruppendiskussionen, bei Trainings und Supervision & Coaching dann ein, wenn ein kreativer Dialog der TeilnehmerInnen gefördert und etabliert werden sollte. Durch die offene Form eignet sich Dynamic Facilitation insbesondere bei Fragestellungen, bei denen bereits die Problemdefinition, die möglichen Lösungen und die Bedenken gegen diese Lösungen Emotionen bei den Teilnehmenden hervorrufen.

Vier Plakatwänden werden mit den folgenden Überschriften betitelt …

  • Probleme
  • Lösungen
  • Bedenken
  • Informationen

… und der moderierte Dialogprozess kann starten. Mit Dynamic Faciliation können Sie erleben, dass sukzessive die Kommunikation und das sich aufeinander Beziehen gestärkt wird.

Unsichere Zeiten im Betrieb: Kommunikation hilft

„Als Gegenmittel raten die Supervisoren zu einer gut organisierten betrieblichen Kommunikation.(…). Das Unternehmen muss bestimmte Formen der Kommunikation gezielt schaffen, pflegen und unterstützen. … Professionelle Unterstützung sichert man durch Supervision. … Regelmäßige Überprüfung und „Wartung“ der Kommunikation stellen sicher, dass der Fluss der Informationen nicht stockt.“ (Stellungnahme der PräsidentInnen der europäischen Supervisionsverbände bei der Generalversammlung der ANSE in ÖVS news 3/20016; S. 18)

Personalentwicklung für Berufseinsteiger/-innen

Für neu in den Beruf einsteigende – z.B. in den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheitswesen, Personalarbeit, Dienstleistung – ist Supervision & Coaching meist die geeignete und passende Personalentwicklungsmethode:

  • individuell an den Erfahrungen der Berufseinsteiger/-innen Entwicklung erzeugen
  • konkret an den Themen der Berufseinsteiger/-innen vertiefen
  • reflexiv den Berufsalltag begutachten und Entscheidungen bewusst gestalten
  • einen geschützten Rahmen für Lernen bieten
  • Sicherheit schaffen durch strukturiertes fortwährendes Setting

Seminare, Vorträge und wissensorientierte Settings können die oben genannte Punkte oftmals nicht in dieser Dimension berücksichtigen und somit solch einen nachhaltigen Mehrwert generieren wie Supervision & Coaching.

REZENSION | Aufgestellte Unterschiede. Systemische Aufstellung und Tetralemma in der Sozialen Arbeit.

„Unterschiede sind für die Soziale Arbeit zentral.“ (S. 9) So beginnt Heiko Kleve in seinem Buch „Aufgestellte Unterschiede“. Kleve ist ein äußerst aktiver Sozialarbeitswissenschaftler im deutschsprachigen Raum und ein Vertreter postmoderner und konstruktivistischer Theorien der Sozialen Arbeit. In den letzten Jahren sind viele Bücher und Artikel von ihm dazu erschienen.

Im Buch „Aufgestellte Unterschiede“ werden zwei Techniken der Sozialen Arbeit dargestellt – das Unterscheiden und das Entscheiden – die für Sozialarbeiter/-innen wie auch für Planer/-innen des Sozialwesens zentral sind.

Im ersten Teil beschäftigt sich das Buch mit systemtheoretischen Präzisierungen wie beispielsweise mit der Arbeit an und mit Differenzen in der Sozialen Arbeit. Der zweite Teil bietet fünf Artikel, die sich mit systemischer Aufstellungsarbeit auseinandersetzen. Den dritten Teil mit dem Titel „Tetralemmawanderung“ widmet Kleve der Identitätsentwicklung der Sozialen Arbeit sowie dem Prozessschema und der Arbeitsweise, sich Neuem zu öffnen:

„Wer sich als Planer oder Entscheidungsträger nicht scheut, dieser Gelegenheit von Veränderungen ins Auge zu sehen, erhöht damit die Nachhaltigkeit und Kreativität seiner Veränderungsbemühungen.“ (S. 143f)

Erfrischend für die Profession der Sozialen Arbeit beschreibt Kleve im seinem abschließenden Artikel eine Idee zur professionellen Identität der Sozialen Arbeit und spricht von einer offenen Identität, die sich durch die doppelt generalistische Weise in der Gesellschaft nicht zu einer klar abgrenzbaren ausbilden kann und meint, dass es eine Chance ist, wenn solch eine offene Identität in „… spielerischer, konstruktiver und reflexiver Weise genutzt wird.“  (S. 158)

Soziale Arbeit ist eine Profession, die es in sich trägt „… ambivalente Spannungen auszuhalten und konstruktiv zu entfalten.“ (S. 114)

 In einem überaus erhellenden Artikel klärt Kleve die Wirkungsweise von systemischen Aufstellungen – er spricht vom sogenannten Horoskopeffekt. Nicht irgendwelche spirituellen Formen,  familiäre Vorfahren oder dergleichen sind es, die bei der Aufstellungsarbeit mit Klientinnen/Klienten wirken, sondern die beobachtungsabhängige Bedeutungsgebung der Klienten:

  • Die Konstruktion von Sinn
  • Die Beziehung zum Sozialarbeiter/Berater/Therapeut
  • Die Deutung der Aussagen der Aufstellungsteilnehmer/-innen(vlg. S. 107)

Erfolgreiche Beratung bzw. Aufstellung ist dann gegeben, wenn Klientinnen/Klienten in ihren Erfahrungsräumen „… an ihrem Erleben, genauer: an ihrem Fühlen, Denken und Verstehen ‘arbeiten‘ können.“ (S. 110)

Das Buch „Aufgestellte Unterschiede“ ist vom Aufbau und der Struktur her eher eine Sammlung unterschiedlicher Aufsätze zu den Methoden systemische Aufstellung und Tetralemma und setzt die Soziale Arbeit immer wieder in Bezug dazu.

Die Aufstellungsarbeit/-praxis nimmt nur einen kleinen Teil im Buch ein – rundherum sind Professionsverständnis und systemische Grundlagen dargestellt.

Wiewohl die jeweiligen Artikel kurzweilig und erhellend für das Professionsverständnis und auch die praktische Arbeit mit Aufstellungen sind, fehlt dem Buch meines Erachtens der rote Faden und das verbindende Element. „Aufgestellte Unterschiede“ ist ein Buch für Praktiker/-innen Sozialer Arbeit, aber auch zu empfehlen für Studierende und Berater/-innen, die eine theoretische Basis für Aufstellungsarbeit suchen.

Kleve, Heiko (2011): Aufgestellte Unterschiede. Systemische Aufstellung und Tetralemma in der Sozialen Arbeit.

Sozialarbeit und Soziale Arbeit – ein Beschreibungsmodell

In beiden Arbeitsfeldern ist es die Arbeit vor, bei und nach Brüchen. Brüche in der Biographie, in familiären und existentiellen Kontexten oder Brüche durch Delinquenz, in der Arbeitswelt u.a.

Von Sozialarbeit sprechen wir, wenn es um die Bearbeitung dieser Brüche bzw. Konflikte geht, deren Auftrag von der Gesellschaft kommt, also von Allen – von der Gesamtheit (z.B. Jugendwohlfahrt, Bewährungshilfe, Arbeitsintegration, Existenzsicherung, Obdachlosenarbeit). Die Ausführung übernimmt entweder der Staat (z.B. dzt. v.a. hoheitliche Aufgaben mit bestimmten Interventionsregulativen) oder die Aufgaben werden delegiert/vergeben an Organisation/Unternehmen der Sozialen Arbeit. (vgl. Milowiz 2009: 92f)

Soziale Arbeit würde ich ebenso verstehen als eine Arbeit bei bzw. nach Brüchen, aber der Auftrag nicht nur ein gesellschaftlicher ist, sondern auch institutionell sein kann oder von Individuen kommen könnte (z.B. Ehe- und Paarberatung, Supervision, Konfliktregelung, Mediation, Team- und Organisationsentwicklung).

Sowohl bei der Sozialarbeit als auch bei der Sozialen Arbeit geht es darum, „… in einen Teufelskreis machbare Änderungen einzuführen, die weitere Änderungen zur Folge haben. Und machbar sind natürlich zunächst solche Änderungen, die man selbst machen kann …“ (Milowiz 2009: 4)

Milowiz, Walter (2009): Teufelskreis und Lebensweg. Systemisch denken im sozialen Feld.